Führen mit Instinkt

Führen mit Instinkt

Als Kursteilnehmer sollten Sie im Horse Assisted Coaching von den Gemeinsamkeiten zwischen dem Herdentier Pferd und dem Gruppenwesen Mensch profitieren. Bei dieser fruchtbaren Zusammenarbeit erlebt der widerspruchsungewohnte Chef mitunter zum ersten Mal eine ganz unmittelbare Antwort auf seinen Führungsstil. Denn das Pferd zeigt ihm schonungslos und unverblümt, wer hier tatsächlich die sprichwörtlichen Zügel in der Hand hat. Und das ist nicht immer derjenige, der sie auch in der Hand hält.

Der Mensch mit Führungsanspruch merkt sofort und unmissverständlich, ob sich das Pferd von ihm führen lässt, oder eben auch nicht. Wenn nicht, dann weiß er instinktiv, an wem das liegt. Am Pferd jedenfalls nicht.

Die Ausbildung

Wer sich in die Hände eines Horse Assisted Coaches begeben möchte, sollte sicher sein können, dass dieser die rund 600 Kilogramm schweren Tiere auch tatsächlich beherrscht. Immerhin kann ein Pferd in unerfahrenen Händen auch mal unberechenbar reagieren und mit seiner unbändigen Kraft dann unter Umständen großen Schaden anrichten. Ganz abgesehen davon, dass ein schlechter Trainer niemals in der Lage sein wird, die immensen Möglichkeiten des Horse Assisted Coaching ausschöpfen zu können. Das kann, wer die Reaktionen des Pferdes auf den Menschen versiert zu deuten weiß.Die Methode ist also nur dann erfolgversprechend, wenn die Ausbildung des Trainers über einen Wochenendkurs in Pferde-NLP hinausgeht.

Leider ist das angesichts der Modeerscheinung HAC heute nicht immer der Fall. Wie überall auf dem Coachingmarkt gibt es selbstverständlich auch für das Horse Assisted Coaching Zertifikate. Eine verbindliche Norm, die der ISO 9001 vergleichbar wäre, existiert jedoch nicht. Die fantasievollen Qualitätslabels, auf die sich mancher Coach beruft, sind also nicht besonders viel wert.

Bloße Träumerei oder echte Chance?

Weil die Methode so effektiv ist, hat sie sich in letzter Zeit zu einer wahren Modeerscheinung entwickelt. Mit allen negativen Begleiterscheinungen einer solchen Entwicklung. HAC (Horse Assisted Coaching) kann aber weder als NLP zu Pferde noch als mentales Voltigieren wirken. Die Methode ist fundiert und geht auf die Richtlinie Reiten und Fahren zurück, die durchaus mit den Vorgaben der Qualitätsnorm ISO 9001 zu vergleichen ist. Der Qualitätsanspruch wird aber, wie im richtigen Unternehmerleben, auch auf der Pferdekoppel leider nicht immer durchgesetzt. Anbieter, bei deren Coachings eher Pferdeträumereien mit viel Spaß auf der Weide praktiziert werden, als dass Führungskräfte tatsächlich von der instinktiven Kommunikationsfähigkeit der Tiere lernen können, machen sich auf dem Markt breit. Schauen Sie sich ruhig mal die Werbevideos der einschlägigen Unternehmen an, die sich mitunter sogar als Erfinder der Methode bezeichnen.

Da geht es recht harmonisch zu und es ist angenehm, den Kursteilnehmern dabei zuzuschauen, wie sie die Pferde bei der Interaktion untereinander beobachten. Die Tiere haben viel Spaß dabei und auch die Menschen genießen das. Aber was es bringen soll, bleibt im Nebel der unübersichtlichen HAC-Landschaft verborgen. Blumige Umschreibungen wie ‚Das Dreieck des Wissens‘ oder ‚Der Trichter der Erkenntnis‘ können den kritischen Betrachter darüber keineswegs hinweg täuschen. Der Erfolg solcher Praktiken bleibt dann auch tatsächlich ein Traum. Denn das Pferd ist nicht in der Lage, dem Menschen als spiritueller Begleiter auf irgendwelchen dunklen esoterischen Pfaden eine Botschaft zu übermitteln, die sein Leben auf einen Schlag besser macht. Wer das glaubt, soll den Anbietern solcher Kurse ruhig sein Geld in den Rachen schmeißen und weiter von magischen Erfolgen träumen.

Aber Horse Assisted Coaching soll er das, was da getrieben wird, bitte nicht nennen. Denn dafür ist die effektive Methode wirklich viel zu schade. Die Pferde spiegeln unser Verhalten nämlich mit Hilfe ihrer dezidierten Wahrnehmungsfähigkeit klarer und rücksichtsloser wider, als das ein anderer Mensch je könnte. Vom Feedback des Tieres lernt man zeitlich pointiert und ganz unmittelbar, was das eigene Verhalten beim Gegenüber auslöst. Direkter geht Kommunikation nicht, die Interaktion zwischen Mensch und Pferd ist vielleicht die einzig wahrhaftige Teamarbeit. Tiere, deren Leben ausschließlich aus HAC-Kursen besteht, werden aber natürlich jedem Kursteilnehmer unproblematisch folgen. Die immer gleichen Pferde in den immer gleichen Kursen wissen immer genau, was in welcher Situation zu tun ist. Erfolgsgarantie für die Teilnehmer. Träumen Sie weiter, wenn Sie meinen, dass Ihre Mitarbeiter ebenso reagieren werden. Es sei denn, diese sind genauso coachingkursprogrammiert.
Der realistische Anspruch

Wer sich Horse Assisted Coaching für sein Unternehmen zunutze machen will, sollte also auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Diese bieten ihm genügend Chancen für seine Weiterentwicklung. Bei der Buchung eines anderen Kurses würde sich ein Unternehmer ja auch nicht auf abgehobene Techniken wie Channeling oder Klangschalen einlassen. Anstatt in spiritistische Sphären abzudriften und sich im Schwebezustand das Geld aus der Tasche ziehen zu lassen, sollte man sich lieber darüber bewusst werden, was für tolle Möglichkeiten das Horse Assisted Coaching tatsächlich eröffnet. Denn in der nonverbalen Kommunikation mit dem Pferd kommen Führungsqualitäten wie Haltung, Selbstbewusstsein und Überzeugungskraft an die Oberfläche, oder eben auch nicht. Durch die instinktive Reaktion des Tieres lernt man mehr über die eigene Außenwirkung als man vom kontrollierten Gegenüber Mensch je erfahren könnte. Zum allerersten Mal erfährt so manche Führungskraft in der Interaktion mit einem Mitarbeiter, der in diesem Fall vom Pferd repräsentiert wird, offen und ehrlich, wie er auf seine Umwelt wirkt. Kann er überzeugen, seinen Führungsanspruch durchsetzen?

Hier bekommt er im unmittelbaren, eigenen Erleben klare Antworten auf diese Fragen. Und lernt, wie er bisher weitgehend ungenutzte Führungsinstrumente wie Körpersprache und Stimme gezielt in der Kommunikation einsetzen kann. Ganz ohne spirituelle Magie. Denn im Geiste würden die gewonnenen Erkenntnisse schließlich wenig nützen, Erfolg bringen sie nämlich erst in der bewussten Umsetzung.

Was passiert beim Horse Assisted Coaching?

Beim Horse Assisted Coaching lernt man sich selbst und die eigenen Verhaltensweisen besser zu verstehen. Denn man sieht die eigenen Aktionen plötzlich aus einer ganz anderen Perspektive widergespiegelt. Unter Anleitung des Coaches erfährt man durch die Reaktion des Pferdes, wie Verhaltensänderungen sich auf das Gegenüber auswirken. Einfach am Halfter zu ziehen genügt meist nicht, um das große Tier zum Mitkommen zu animieren. Manch ein Kursteilnehmer schlägt daraufhin die einfachste Lösung vor: Ein Stück Zucker. Würde er seinen Mitarbeiter in der entsprechenden Unternehmenssituation wohl mit einem 50-Euroschein zu überzeugen suchen? Selbst wenn, solche Lösungsstrategen greifen nur sehr kurz. Irgendwann wäre das Pferd satt und man käme mit dem Zucker auch nicht mehr weiter. Stattdessen eröffnet der Coach andere Möglichkeiten. Schon eine veränderte Körperhaltung kann beispielsweise wahre Wunder bewirken und das Pferd ganz automatisch zum Folgen bringen. Unbewusst ausgesandte Zeichen der Körpersprache werden offenbar und können dann ganz gezielt zum Einsatz kommen.

Das empathische Tier merkt, ob der Körper tatsächlich ausdrückt, was der Mensch mit Worten sagt. Ein Pferd versteht natürlich das Wort ‚Komm‘ oder den Zug am Halfter, folgen wird es dem Menschen aber nur, wenn die Aufforderung ganzheitlich ausgedrückt wird. Die Erfahrung, dass die ausgesprochenen Worte mit der Körpersprache nicht immer im harmonischen Einklang stehen, kann äußerst lehrreich sein. Mitten im Hier und Jetzt erlebt man life die unmittelbaren Auswirkungen der Disharmonie, die den Menschen nicht authentisch erscheinen lässt. Mit einer solchen Außenwirkung kann keine Führungskraft fest im Sattel sitzen.

Das Pferd ist als Fluchttier, das in der Herde lebt, darauf angewiesen, auch kleinste Signale schnell zu erkennen und direkt umzusetzen. Und auf das Vertrauen innerhalb der Gemeinschaft. Genau dieses unbedingte Vertrauen lernt der Mensch in der Zusammenarbeit mit dem Pferd kennen.